Auf Online-Lehre mit System setzen

Kategorie: Blog

Ein Interview mit Martina Eckert, Professorin an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW. Sie ist Autorin von „Online-Lehre mit System“ und nimmt in ihrem Buch Bezug auf das keelearning-LMS. Und das durchaus positiv …

Frau Prof. Eckert, worum geht es in Ihrem Buch?

Es geht darum, ein lernpsychologisches Modell zu etablieren, mit dem man leichter aus der bisherigen Präsenzlehre in die digitale Lehre kommen kann. Dazu wird der Lernzyklus-Ansatz von David Kolb benutzt.

Wozu benötigt man ein solches Modell?

Es stellt eine Chance dar, Lehrplanung im Hochschulbereich zu fundieren, eine Richtschnur zu haben, Dinge nicht überstürzt auszuprobieren, sondern sich gezielt an den Lerngewohnheiten der Studierenden zu orientieren und diese weiterzuentwickeln. Damit lässt sich ein leichtgängiges Fundament für digitale Lehre  schaffen. Denn ein guter Lehr- und Lernprozess ist immer ein ganzheitlicher.

Dieses System soll zeigen, dass man mit digitaler Lehre, anders als nur in Präsenzlehre, Schritte noch kleinschrittiger unterstützen kann. Digitale Lehre bietet mehr Möglichkeiten, individuell zu lernen. Dabei stelle ich mir vor, dass die Lerngeschwindigkeit jedes Einzelnen berücksichtigt und unterstützt wird. Beispielsweise mit Selfassessments, dem Wechsel von Anschauung zu Vertiefung und Transfer.

Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang das keelearning-LMS?

Das keelearning-LMS bildet diese Möglichkeiten meiner Ansicht nach gut ab. Hier erlebt man eine Kombination aus Lenkung und Selbstständigkeit von Lernenden. Auch die Ästhetik spielt eine Rolle. Denn ein Programm, das akademisch langweilig aufgemacht ist, macht auch weniger Spaß.

Zum Vergleich: Mit der ILIAS Software/ Lernplattform legt der Lehrende die Lernschritte fest. Innerhalb des Tools ist es schwierig, auf eine andere Ebene einzusteigen. Das ist ein eher starres Lernen, Lernende können nicht intuitiv selbstständig lernen. Bei ILIAS bestimmen die Funktionalitäten des Tools die Anwendungsmöglichkeiten der Nutzer bzw. Nutzerin. Es sollte aber in die andere Richtung gehen. Das Moment der Unmittelbarkeit ist für Studierende bei ILIAS nicht gegeben.

Wie arbeiten Ihre Kollegen mit ILIAS?

Wenn ich mich mit Kollegen unterhalte, nutzt vielleicht ein Drittel digitales Lernen so, dass man auf der Plattform verschiedene Dinge machen kann. Die meisten stellen Skripte ein und halten Video-Präsenzunterricht ab.

Und wie nehmen das die Studierenden auf?

Studierende kennen andere Tools oft gar nicht. Zudem erfordert ILIAS eine Menge Know-how zum Erstellen von Selfassessments, Tests und Übungen von Lehrenden. Diese müssen zunächst einmal Fragen generieren, sie freistellen und dann in eine neue Version überführen. Das ist äußerst fehleranfällig und dauert lange. ILIAS ist eine reine Desktopanwendung und nicht mobil verfügbar, man muss sich hundertmal durchklicken, bis man dort ist, wo man hinmöchte. Es gibt eine App, aber die verkürzt nur Wege. Zur Vorbereitung eines 45-minütigen E-Learnings benötige ich pro Lerneinheit drei Stunden.

Was war Ihr Antrieb, dieses Buch zu schreiben?

Ich habe als Psychologin ein Interesse daran, Lernen nicht nur als das Einspülen und Abspulen von Wissen anzusehen. Ich finde es wertvoll, wenn man Prozesse nicht nur im Hinblick auf einen Abschluss oder einen Leistungsnachweis angeht, sondern sich auch aktiv mit Inhalten und der Vernetzung von Inhalten auseinandersetzt.

Wo sehen Sie die Zukunft der digitalen Lehre?

Ich glaube, dass es Hochschulen gibt, die hinsichtlich der Digitalisierung bereits weiter sind als andere. Es gibt immer noch die Bedenken bzw. Ängste, dass es datenschutzrechtlich Probleme geben könnte. Wenn einmal in ein System investiert wurde, dann ist die Hürde, sich ein weiteres Programm anzuschaffen oder  Tools gleichberechtigt nebeneinander laufen zu lassen, sehr hoch. Denn es dauert lange, um entsprechende Mittel einzusetzen oder anzuschaffen.

Wird E-Learning nach der Pandemie wieder weniger genutzt?Jetzt bestellen!

E-Learning wird hoffentlich auch nach Corona eine tragende Rolle spielen. Dies war auch ein Grund für mich, dieses Buch zu schreiben. International orientierte Universitäten wie Standford sind schon länger digital unterwegs und haben weltweit Studierende. Deutsche Universitäten hinken da leider noch hinterher. Teilweise sind noch nicht einmal Lernplattformen und Expert:innen, die didaktisch unterstützen können, vorhanden.

Häufig wird davon ausgegangen, dass Normalbetrieb gleich Präsenzlehre ist. Ein Trend, der zuweilen auch etwas mit  Bequemlichkeit, der so genannten Komfortzone, zu tun hat. Doch Normalbetrieb ist beides! Ich würde mir wünschen, dass mehr Digitalität in den Studienbetrieb einziehen würde, besonders, wenn es um die Bereiche Individualisierung, Standardisierung und Leistungsmessung geht.

Welche Erwartungen haben die Studierenden?

Studierende finden digitale Lehre grundsätzlich in Ordnung, möchten andererseits aber auch nicht, dass alles durchdigitalisiert wird. Wenn sie eine Familie haben, schätzen sie digitale Kommunikation jedoch sehr. Die Pendelzeit entfällt und man kann einiges asynchron nutzen. Digitale Lehre eignet sich aber nicht als Schwellenpädagogik*. Sich spontan Lerninhalte zu überlegen, ist bei digitaler Lehre leider nicht drin. Auch die Feedbackkultur ist für Studierende relevant. Studierende finden es spannend, wenn sie nach einer Lehreinheit Rückmeldung über ihren Leistungsstand bekommen. Das lässt sich digital prima sicherstellen.

Manche Lehrende probieren entsprechende Möglichkeiten automatisierten Feedbacks oder Video-Feedback neugierig aus, andere sind wiederum abgeschreckt, vor allem wegen des Zeitaufwands.

* In Pädagogenkreisen die Unterrichtsvorbereitung auf der Türschwelle zum Klassenzimmer.

Wir danken Ihnen für das Gespräch, Frau Prof. Eckert!

„Online-Lehre mit System“ erschien im Verlag Springer Gabler.

 

Sie möchten mehr über das keelearning-LMS erfahren? Informieren Sie sich hier:

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Ihr Team von keeunit aus Mainz

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